Schüler Eltern Lehrer Mediation am ASG

Ausbildung von Schülermediatoren

Kursleitung

Alexandra Riotte, Reinhard Gruthoff

Kategorie

Mediation

Alle kennen ihn, jeder hatte ihn schon mal. Entkommen kann man ihm nicht. Es kommt darauf an, wie man mit ihm umgeht, mit dem Streit.

Wenn, wie an unserer Schule, tagtäglich viele Menschen zusammen­kommen, sind kleinere oder grö­ße­re Reibereien und Konflikte vorpro­grammiert. Oft werden Mitschüler handgreif­lich, wenn ein Streit eskaliert. Aber das ist nun wirklich keine Lösung. Im Gegenteil, die Sache wird immer schlimmer. Streitkultur ist gefragt! Und darum bemüht sich die Mediations-AG. "Dort lernen wir auf lustige und spannende Art und Weise, wie man einen Streit schlichtet", meint eine Teilnehmerin.  

"Mediation" ist ein lateinisches Wort, das man wohl am besten mit "Ver­mittlung" übersetzen könnte. Wir bemühen uns, die Streitenden an einen Tisch zu bekommen und in Ruhe mit ihnen über ihren Konflikt zu spre­chen. Das geht natürlich nur, wenn alle Beteiligten zu solch einem Ge­spräch freiwillig bereit sind. Druck, Zwang und Strafen sind ‚out'. Hier liegen die Chancen und Vorteile der Mediation: Strafen, das zeigt die Erfahrung, lösen keine Konflikte, sondern schaffen neue.

Nicht immer geht in einer Mediation alles so glatt wie in Momos Geschich­te...

Aber wenn es im Gespräch gut läuft, schließt man einen Vertrag ab, in dem die Beteiligten versprechen, dass sie Streitanlässe vermeiden und Konflikte in Zukunft friedlich lösen wollen. 

Wie bei einem Eisberg ist für uns und oft auch für die Beteiligten zunächst nur die Spitze des Konflikts sichtbar, haben wir uns in der Mediationsaus­bildung klargemacht. „Oberflächlich wahrnehmbar ist ... erst einmal nur, was jemand sagt und wie er sich verhält. In einem Konflikt sind es aber häufig die verborgenen, unausge­sprochenen Wünsche, Gefühle und Befürchtungen, die zu Missverständ­nissen führen. Welche Beweggründe jemand hat und worum es ihm eigentlich bei dem Streit geht, ist unter der 'Wasseroberfläche' oft nur schwer auszuloten (und manchmal muss man dafür auf Tauchstation gehen)“, meint O. Hagedorn in "Mediation in der Schule".

 Die AG-Mitglieder sind der Meinung, dass Zoff unter Schülerinnen und Schülern am ASG in vielen Fällen auch ohne Hilfe Erwachsener be­endet werden kann. Deshalb haben sie sich zu Schülermediatorinnen und –media­toren ausbilden lassen. Ihr könnt sie in den großen Pausen in den Media­tionsräumen, die es in beiden Schulgebäuden gibt, antreffen.

Als Ansprechpartner stehen euch auch, ganz besonders in Mobbing-Fällen, Frau Riotte und Herr Gruthoff zur Verfügung. Wenn Schülerinnen und Schüler ausgegrenzt, in die Ecke gedrängt und systematisch fertig gemacht wer­den, schaut nicht weg, sondern sagt uns, was da 'abgeht'. Ihr könnt uns auch per e-Mail erreichen: asg-mediation@web.de. 

Mobbing-Opfer sind häufig gar nicht mehr in der Lage, sich selbst Hilfe gegen die 'Mobber' zu holen. Hier gilt es, Courage zu zeigen: 

Gebt Mobbing keine Chance!

Eure Mediations-AG

Eine kleine Geschichte...

In Michael Endes Buch „Momo“ gibt es eine Geschichte, die sehr gut be­schreibt, was in einer Mediation passiert: Eines Tages kamen zwei Männer zu Momo ins alte Theater, die waren so zerstritten, dass sie nie mehr miteinander reden wollten, obwohl sie Nach­barn waren. Die anderen Leute hatten ihnen geraten, zu Momo zu gehen, denn es ginge doch nicht, dass Nachbarn in Feindschaft miteinan­der leb­ten. Die beiden hatten sich anfangs geweigert, aber schließlich widerwillig nachgegeben. Nun saßen sie bei Momo, stumm und feind­selig, und jeder schaute finster vor sich hin.

Der eine war Maurer und hieß Nicola, ein starker Kerl mit gezwirbeltem Schnurrbart. Der andere hieß Nino. Er war mager und sah immer ein wenig müde aus. Nino war Pächter eines kleinen Lokals am Stadtrand. Momo setzte sich zu den beiden und wartete einfach ab, was geschehen würde. Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit.

Plötzlich stand Nicola auf und sagte: „Ich geh'. Ich hab' meinen guten Willen gezeigt, indem ich überhaupt gekommen bin. Aber du siehst, Momo, er ist verstockt. Wozu soll ich noch länger warten?“ Und er wandte sich tatsächlich zum Gehen. „Ja, mach, dass du wegkommst!“, rief Nino ihm nach. „Du hättest erst gar nicht zu kommen brauchen. Ich versöhne mich doch nicht mit einem Verbrecher!“ Nicola fuhr herum, sein Gesicht war rot vor Zorn. „Wer ist hier ein Verbrecher?“, fragte er drohend und kam wieder zurück. „Sag das noch mal!“ – „So oft du nur willst!“, schrie Nino. „Du glaubst wohl, weil du so stark bist, wagt niemand dir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen?“ – Eine Zeit lang warfen sich die beiden gegenseitig die wildesten Beschimpfungen an den Kopf, und Momo konnte nicht schlau daraus werden, worum es überhaupt ging in diesem Streit und weshalb die beiden so erbittert waren. Aber nach und nach kam heraus, was passiert war: Nicola hatte Nino auf der Straße in eine Pfütze geschubst, weil Nino ihm zuvor in Gegenwart einiger Gäste eine Ohrfeige gegeben hatte. Nicola allerdings hatte davor einen von Ninos Krügen gegen die Wand gefeuert, aber nur weil Nino gesagt hatte, Nicola sei ein schlechter Maurer und könne keine gerade Mauer bauen, weil er immer besoffen sei. Und sein Urgroßvater habe mit am schiefen Turm von Pisa gebaut! Und vorher hatte Nicola Nino gekränkt, indem er mit roter Farbe an die Tür von Ninos Lokal geschrieben hatte: „Wer nichts wird, wird Wirt.“ – So kam nach und nach alles zur Sprache, bis die beiden Männer herausge­funden hatten, wie der Streit angefangen hatte. Da mussten sie plötzlich lachen, weil sie erkannten, wie nebensächlich der Grund für ihre jahrelange Feindschaft war. Sie umarmten einander und klopften sich gegenseitig auf den Rücken. Dann nahmen sie Momo in den Arm und sagten: „Vielen Dank!“