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Familienbande

Die Aufgabe:   Die Aufgabe war es, im Deutschunterricht als Hausaufgabe eine Fortsetzung zu der Kurzgeschichte „Familienbande“ aus dem Deutschbuch zu schreiben, da wir zu dieser Zeit Kurzgeschichten behandelt haben.

 

Die Autorin: [Foto]  Mein Name ist Kiara Zuckschwerdt und ich gehe in die 9. Klasse, 9S1. Ich schreibe seit 2017 für unsere Schülerzeitung „Morgengrauen“. Ich mag das Fach Deutsch sehr gern, da ich schon immer gerne selbst Geschichten verfasst habe. In meiner Freizeit schreibe ich ebenfalls sehr gerne, u.a. auch größere Texte. Ich möchte irgendwann vielleicht mal Autorin werden, da ich es faszinierend finde, wie diese Leute es schaffen, Menschen mit ihren Geschichten in den Bann zu ziehen.

 

 

Familienbande (Ergänzung der Geschichte im Rahmen einer Hausaufgabe)

Sie mögen Tante Angustia derart, dass sie sogar die Ferien nutzen, um es ihr zu verstehen zu geben. Jedes Jahr fuhren sie mehrmals zu ihr und verbrachten immer mindestens zwei Wochen in ihrem geräumigen Haus. Natürlich hatte sie schon immer ihre Eigenheiten gehabt, doch wer hatte die nicht? Sie glaubte zum Beispiel  an Voodoozauberei, was keiner in der Familie so recht nachvollziehen konnte. Überall in ihrem Haus, in jedem Zimmer lagen Voodoopüppchen herum, die entweder im Kopf oder im Herz Stecknadeln stecken hatten. Einmal hatte ihre Nichte María sie gefragt, warum die Puppen Nadeln im Körper hatten. Doch ihre Tante hatte nur gelächelt. „Das verstehst du nicht.“ Dabei hatte sie sie mit großen Augen angestarrt.

 Als María jedoch älter wurde, begann sie eigene Theorien darüber zu entwickeln. Die stärkste war die, dass die Puppen Menschen darstellen sollten, die ihre Tante hasste. Als sie einmal alleine die Frühlingsferien bei der Tante verbrachte, sie war zu diesem Zeitpunkt bereits 15 Jahre alt, hatte sie damit begonnen, ihre Tante genauer zu beobachten. Sie bekam nun mit, dass ihre Tante, jedes Mal wenn sie einen Brief von der Bank bekam, die Nadel mitten durch die Unterschrift steckte. „Warum ich das mache?“ Gedankenverloren hatte sie ihre Nichte angeschaut. „Das verstehst du nicht.“ Und so ging es immer weiter. Als María eines Tages wieder die Tante besuchte und sie abends zusammen auf der Terrasse saßen und der Sonne beim Sinken zusahen, hatte Angustia María unvermittelt gefragt, ob sie denn das Märchen „Dornröschen“ kenne. Natürlich kannte María es. „Morgen wirst du 16. Dornröschen stach sich mit 16 an einer Spindel und fiel tot um.“ „Nein, sie verfällt in einen 100-jahrelangen Schlaf“, entgegnete María träge und sah mit geschlossenen Augen zur Sonne hinauf. „Ach ja…“, murmelte die Tante und blickte in die Ferne. María sah Angustia lange an, bevor sie den Blick wieder zur Sonne wandte. „Hoffen wir, dass mir das nicht passiert“, witzelte sie und verzog das Gesicht zu einem Lächeln. Ihre Tante antwortete nicht. María gähnte und stand schließlich auf. Ging ins Bett.

Es war stockdunkel in dem Zimmer ihrer Nichte. Ihre Tante sah auf die Uhr auf dem Nachttisch. 11:59 Uhr. Sie konnte die näherrückende Mitternacht schon fast hören. María lag in ihrem Bett und schlief selig. Ein Arm hing über die Bettkante. Der linke. Ihre Tante zündete eine Kerze an und stellte sie ein paar Zentimeter vor die knapp über dem Boden hängende Hand der Nichte. Sie griff in ihre Schürzentasche und murmelte dabei leise vor sich hin. Ein Blick auf die Uhr. Noch immer 11:59 Uhr. Sie musste sich beeilen. Aus der anderen Tasche zog sie eine Stecknadel und hielt sie dicht an das kleine Püppchen in der anderen Hand. Lächelnd beugte sie sich zu ihrer Nichte herunter und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Anschließend richtete sie sich wieder auf. 11:59 Uhr. Der Stoff gab sofort nach als die Tante die Nadel in die linke Hand der Puppe drückte. Schnell sah sie zur Kerze, die Marías Hand erleuchtete. Und da tropfte schon das Blut vom Finger, wie bei einem Spindelstich. Die Hand zuckte. Schnell zog Angustia die Nadel wieder aus der Puppe, woraufhin sich die Hand augenblicklich wieder entspannte. Jetzt – 12:00 Uhr. Mitternacht. Dieses Mal gab der Stoff nicht ganz so schnell und leicht nach, als die Tante die Nadel in den Körper der Puppe drückte. Schließlich setzte sie sich zu ihrer Nichte ans Bett, legte ihr behutsam die Hand aufs Herz und flüsterte: „Alles Gute zum Geburtstag.“ 12:01 Uhr. Rasch erhob Angustia sich wieder und ging in die Küche um sich das Blut von der Hand zu waschen. Das Püppchen liegt bis heute noch in Marías Zimmer.

Sie liebten Tante Angustia, doch nun hassen sie sie derart, dass sie sogar die Ferien nutzen um es ihr zu verstehen zu geben.