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Lothar Kahn: Ein jüdisches Schicksal

Ansprechpartner:

Erwin Schorr
(Schulleiter)

Telefon: 06831/976547
Telefax: 06831/976089

Email: schulleitung@asg-dillingen.de

Lothar Kahn, am 1. Juni 1922 in Rehlingen als Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmannes ge­boren, war von Ostern 1932 bis zum 11. September 1935 Schüler des Dillinger Real­gymnasiums.

 

In den Akten und Unterlagen der Schule taucht sein Name nur zweimal auf, einmal auf einer Karteikarte, die seine persönlichen Daten enthält und einmal auf der Kopie seines Abgangszeugnisses. Beide Dokumente lassen nichts Ungewöhnliches erkennen. Sie könnten auf jeden beliebigen Schüler des Dillinger Realgymnasiums zutreffen, wenn nicht ein Vermerk auf der Karteikarte Anlass zum Nachdenken gäbe. Dort steht in der Rubrik SONSTIGE BEMERKUNGEN »auswandern«.

 

Die Familie Kahn, eine alteingesessene, wohlhabende Kaufmannsfamilie aus Rehlingen, wohl eine jüdische Familie im erzkatholischen Milieu des Saargaus, aber gut integriert, hoch angesehen und auch national gesinnt, hatte sich also zur Auswanderung entschlossen. Sie hatte beschlossen, alles aufzu­geben und ins Exil zu gehen. Sie besaß ein Geschäft mit mehreren Angestellten, ein großes Haus, ein Auto mit Chauffeur und weiteres Dienstpersonal. Alles was zu verkaufen war, wurde mit großem Verlust verkauft.

 

Was hatte sie zu diesem schwerwiegenden Entschluss veranlasst? Das Geschäft lief gut, die Familie genoss hohes Ansehen. Lothar Kahns Großvater, Ferdinand Kasel, hatte zum Beispiel immer fleißig die örtlichen Wohlfahrtsorganisationen, besonders aber die Kriegsveteranen des 1. Weltkriegs unterstützt.

 

Als er 1934 starb, schickte jeder Rehlinger Verein eine Abordnung zum Trauerzug, der zum jüdischen Friedhof in Diefflen zog. Bei seiner Beerdigung spielte eine Kapelle »Ich hatt' einen Kameraden«. Zwei Männer aus der näheren Ver­wandtschaft waren im 1. Weltkrieg für Deutschland gefallen.

 

Der Blick auf die damalige politische Situation lässt unschwer erkennen, was die Familie zu diesem Entschluss bewogen hatte. Am 1. März 1935 kehrt das damalige Saargebiet zum Deutschen Reich zurück. Damit ändert sich schlag­artig die Situation der Juden an der Saar. Die Zeit der Verfolgung beginnt.

 

Das Schicksal der Familie Kahn unterscheidet sich daher nicht vom Schicksal einiger hun­dert anderer jüdischer Familien im Saarland, denen nichts anderes übrig blieb, als aus­zuwandern.

 

Auch die Karteikarten anderer jüdischer Schüler unserer Schule aus dieser Zeit zeigen, dass hier sich ähnliche Schicksale abspielten. Statt der Formulierung »auswandern« wird hier oft »Abgemeldet. Abstimmungsfolge« vermerkt. Nur wissen wir über die Lebenswege dieser Schüler recht wenig. Ich verweise hier auf den Artikel von Hanno Krisam.[i]

 

Im Fall des Schülers Lothar Kahn haben wir allerdings mehr Informationen. Lothar Kahn wurde in den Vereinigten Staa­ten ein angesehener Wissenschaftler. Er lehrte Deutsche Sprache und Literatur an einer angesehenen amerikanischen Universität. Sein Spezialgebiet war die deutsche Literaturgeschichte, speziell aber beschäftigte er sich mit den Werken jüdischer Schriftsteller innerhalb der deutschen Literatur. Sein letztes Buch »Between two Worlds: A History of German and Jewish Writers« fasst die Ergebnisse seines wissenschaftlichen Lebenswerkes zusammen.

 

Im Februar 1990 sollte ihm für seine wissenschaftlichen Verdienste von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurter/Main die Ehrendoktorwürde verliehen werden. Leider starb er kurz vor dieser Ehrung am 22. Januar 1990.

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